Gotteserkenntnis ohne Christus / Natürliche Theologie
Was ich heute gelernt habe…
…ist, dass der im Neuen Testament als “Vater des Glaubens” bezeichnete Abraham selbst die Christusoffenbarung nie empfangen (können) hat. Daraus folgt, dass es wahre Gotteserkenntnis bereits in Israel gegeben haben muss, also gab. Sie wird vom Christusgeschehen überboten, bleibt jedoch wahr.
Nach Paulus ist die Offenbarung jederzeit allen Menschen zugänglich, und zwar durch die Werke der Schöpfung. Der Menschen Schuld aber ist, dass die aus dieser Erkenntnis nicht die Konsequenz gezogen haben, Gott als Gott anzuerkennen. Von Christus her betrachtet bedeutet dies, dass die Gottesoffenbarung durch die Werke der Schöpfung nur die Funktion hat und haben kann, die unentschuldbare Sündigkeit des Menschen und seine Angewiesenheit auf die Gnade (Jesu, also Gottes) zu verdeutlichen.
Die allgemeine Zugänglichkeit der Offenbarung wird auch als “Allgemeine Gottesoffenbarung” bezeichnet. Daraus ergibt sich die “Natürliche Theologie”, die der übernatürlichen Theologie der christlichen Gotteslehre gegenübersteht.
Nebensächliches:
Zum Thema natürliche Theolgie und allgemeine Gottesoffenbarung passt noch die Feststellung, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens bereits eine implizite Frage nach Gott ist und somit “unthematisches Wissen von Gott”.
Selamlar,
“…dass der im Neuen Testament als “Vater des Glaubens” bezeichnete Abraham selbst die Christusoffenbarung nie empfangen (können) hat”.
Kannst du das irgendwie begründen oder wie wurde das begründet?
Viele Grüße und Gottes Segen
Tom
tom
März 28, 2008 um 10:30
Es ist ja einfach so, dass Abraham lange vor dem Christusgeschehen gelebt und gewirkt hat.
ibelong
März 28, 2008 um 10:54
Hmm, ja und? Gab es deiner Meinung nach vor dem was du als “Christusgeschehen” bezeichnest keinen Christus, der sich Abraham hätte offenbaren können? Wie soll “wahre Gotteserkenntnis” geschehen ohne zu erkennen, dass Gott dreieinig ist?
tom
März 28, 2008 um 12:26
Und wie soll Christus sich offenbaren, wenn er noch nicht geboren worden ist? Er wurde verheißen, aber nicht offenbart. Dann wäre das Christusgeschehen doch überflüssig gewesen, wenn sowieso allen schon alles offenbar war.
Es geht doch aus den anderen Beiträgen zur Offenbarung / natürlichen Theologie vor, dass die Christen alles vor und außer Christus nur als (Protestanten: unreine!) Vorstufe zur Wahrheit sehen und dass das Christusgeschehen alle Offenbarung überbietet.
P.S.: Die hier veröffentlichten Texte geben nicht immer unbedingt meine Meinung wieder, sondern das, was ich aus wissenschaftlichen Publikationen und Vorlesungen für mich als theologischen “Anfänger” als wissens- und bemerkenswert herausfiltere.
ibelong
März 28, 2008 um 12:55
Ich denke, man sollte auch mal einen Blick in die Bibel werfen, wenn man Theologie studiert.
Joh 8,58: “Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich!”
Und jetzt?
tom
März 28, 2008 um 4:22
Sie haben recht, und auch wieder nicht – glaube ich. Wenn Sie eine entsprechende Stelle im Alten Testament fänden, wäre ich Ihnen dankbar. Also eine Stelle, in der Abraham explizit vom Christusgeschehen weiß.
Außerdem geht es an dieser Stelle Joh 8,58 meines Erachtens nach nicht um Jesus, sondern, hier wären wir wieder bei der Trinität, dem Abraham hat sich Gott als der eine Gott offenbart, meines Wissens nach aber nicht in der Gestalt Jesus Christus. Da Jesus Christus Gott ist, ist es doch nur logisch, dass er schon vor Abraham da war, schließlich ist er ewig.
Nun sagen Sie, er ist immer alles drei zugleich gewesen. Ich sage, erst mit dem Ostergeschehen hat sich das den Menschen offenbart. Abraham war ein Mensch. Also hat es sich ihm zu Lebzeiten nicht offenbart.
ibelong
März 28, 2008 um 5:08
Ich habe im Moment leider Schwierigkeiten Ihnen zu folgen. Einmal fragen sie wie Christus sich offenbaren soll, wenn er noch nicht geboren wurde. Auf der anderen Seite stimmen sie zu, dass Gott von Anfang an dreieinig ist, ein Gott, ein Wesen, drei Personen.
Das ganze steht im Kontext von wahrer Gotteserkenntnis. Meine Behauptung ist, dass es keine wahre Gotteserkenntnis gibt, wenn man nicht erkennt, dass Gott dreieinig ist. Stimmen sie mir da zu?
Das andere ist die Frage, ob man aus dem alten Testament die Dreieinigkeit entnehmen kann. Und das kann man natürlich. Das können sie bspw. hier nachlesen: http://www.bible-only.org/german/3in1.html
tom
März 28, 2008 um 9:45
Mal ein Paar radikale Ansätze hierzu:
von Harnack in “Marcion”: “Das AT [...] als kanonische Urkunde im Protestantismus noch zu konservieren, ist die Folge einer religiösen und kirchlichen Lähmung.”
Falk Wagner in “Auch der Teufel zitiert die Bibel”: “Indem aber die christliche Theologie den ‘Vater’ Jesu Christi immer wieder auf Jahwe, den Gott des Alten Testaments, beziehen will, verbaut sie sich die Möglichkeit, den spezifisch neuen und revolutionären Gehalt zu explizieren, auf den der trinitarische Gottesgedanke und die Christologie zielen.”
Doch davon mal weg: Die Bibel ist doch keine Offenbarung an sich, sondern Zeugnis der Offenbarung. Das Alte Testament wurde nicht von Menschen abgefasst, die im Trinitätsglauben lebten. Deswegen ist es aberwitzig, da nach Christus zu suchen, wo er historisch nicht sein kann. Dass die Dreieinigkeit ewig ist, da stimme ich Ihnen ja zu. Nur sie war den Menschen nicht offenbar, trotz Ihrer Bibelauslegungen. Sie war dem biblischen Abraham nicht offenbar, jedenfalls bezeugt er es nicht. Dabei bleibe ich.
Zur Gotteserkenntnis: Es gab vor dem Christusgeschehen gar keine wahre Gotteserkenntnis. Weshalb ist Jesus denn sonst am Kreuz gestorben?
ibelong
März 29, 2008 um 12:08
Schade, dass sie sich nicht die Mühe gemacht haben, die verlinkte Seite zu lesen.
Jesaja 9,5: “Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst.”
Weshalb Jesus am Kreuz gestorben ist?
An dieser Stelle möchte ich meine Diskussion mit Ihnen beenden.
Vielen Dank für das Gespräch.
tom
März 29, 2008 um 1:22
schönen gruß von http://www.theolounge.de
theolounge
Mai 18, 2008 um 1:41
Unter dem Stichwort “natürliche Theologie” bin ich auf die Diskussion gestoßen und denke, dass ich den Streit schlichten kann.
Wenn stimmt, wie ich die exegetischen und geschichtlichen Erkenntnisse auswerte, dann geht es beim historischen und hoheitlichen Jesus Christus um den Logos/das Wort bzw. in heutiger Begrifflichkeit: die Vernünftigkeit allen natürlichen Werdens. Und genau darauf gründet m. E. auch der anfängliche Monotheismus: Abraham. Die ur-christliche Gotteslehre ist danach keine “un/übernatürliche” Angelegenheit, sondern ein Verständnis, Vergegenwärtigung des einen Schöpfers in antiker Vernunft. (Ohne dass diese – wie in der Stoa – selbst vergottet wurde.)
Beim Kind, auf das sich Jesaja beruft, dem Wort aus dem sich der anfängliche Exilsmonotheismus ableitet, geht es genau um die Vernünftigkeit allen natürlichen Werdens, die auch zur Zeitenwende als Offenbarung gesehen und in der (somit) realen Geschichtsgestalt der Welt vermittelt wurde.
Was der Wiederverstand dieser Geschichtsgestalt iim Hinblick auf unserer zerbrochenes Welt- und Gottesverständnis bewirken würde, habe ich aktuell versucht unter Auf(v)verstehung nachzudenken.
Gerhard
Juni 18, 2008 um 7:21